Eine Jury in Texas hat entschieden, dass die Drucker der ersten Generation von Bambu Lab (X1, P1, A1) Stratasys-Patente zu Prime Towers und Bettnivellierung verletzen, und Stratasys 27,6 Millionen Dollar zugesprochen. Es gibt keine Unterlassungsverfügung, und das Urteil betrifft nur US-Patente. Ein europäisches Gericht hatte Stratasys' Eilantrag zuvor abgewiesen. Bambu Lab will Rechtsmittel einlegen.
Die wichtigsten Fakten
Die Jury sprach Stratasys in Texas 27,6 Millionen Dollar gegen Bambu Lab zu
Betroffen sind Prime Towers (US 9421713) und Bettnivellierung per Kraftsensor (US 9168698)
Keine Unterlassungsverfügungen gegen die X1-, P1- und A1-Serien aus der Klage
Die UPC-Kammer Den Haag wies Stratasys' Eilantrag im April ab
Kontext Ein Prime Tower ist eine Opferstruktur neben dem Bauteil, an der die Düse Filament ausspült und neu anfördert, etwa nach einem Materialwechsel.
Was hat die Jury entschieden?
Die Jury hielt Bambu Lab für schuldig, mit den Druckerfamilien X1, P1 und A1 Patente verletzt zu haben. Es geht um Prime Towers, die die Maschinen der ersten Generation beim Spülen einer einzelnen Düse nutzen (US 9421713), und um Bettnivellierung mit Dehnungsmessstreifen und Kraftsensoren (US 9168698). Stratasys erhielt 27,6 Millionen Dollar zugesprochen. Gegen die Geräte wurde keine Unterlassungsverfügung erlassen. Bambu Lab erklärte, das Urteil nicht zu teilen, und will Überprüfung nach dem Prozess sowie Berufung beantragen.
Welche Bambu-Lab-Produkte sind betroffen?
Die Klage nennt nur Maschinen der ersten Generation. Die X1 wurde Anfang des Jahres eingestellt, die P1S wurde im Oktober 2025 nominell von der P2S abgelöst. A1 und A1 Mini sind weiter im Angebot. Die neuere Dual-Düsen-Reihe H2 und die X2 umgehen demnach das Prime-Tower-Patent und setzen auf optische Sensoren und überarbeitetes Bettabtasten statt Krafterkennung. Eine anonyme Quelle sagte, Bambu Lab arbeite an einer Alternative zum Prime Tower, öffentlich ist das nicht.
Wie unterscheiden sich USA und Europa?
Das Urteil gilt für US-Patente und damit für in den USA verkaufte Maschinen. In Europa wies die Lokalkammer Den Haag des Einheitlichen Patentgerichts den Antrag von Stratasys auf einstweilige Verfügung im April ab, Stratasys legte keine Berufung ein. Im größeren Texas-Verfahren erreichte Bambu Lab die Ungültigkeit eines Patents zu beheizten Druckflächen und flexiblen Federstahlplatten und verteidigte seinen cloudvernetzten Druck mit Kameraüberwachung. Vier weitere Patente zu Materialkennzeichnung, Vernetzung, Lidar-Scan und Druckererkennung sind noch offen.
Was das bedeutet
Für europäische Hersteller liegt die praktische Erkenntnis darin, dass Patentrisiken regional sind: Dasselbe Gerät unterliegt in den USA und der EU unterschiedlichem Risiko, wie die Entscheidung aus Den Haag zeigt. Wer FDM-Maschinen für die Produktion kauft, kann Anbieter nach dem Patentstatus in den jeweiligen Einsatzmärkten fragen. Das Urteil ist anfechtbar, Folgen für Angebot und Preise sind daher offen. Umgehungslösungen wie Dual-Düsen-Systeme zeigen, wie schnell sich Hardware ändern kann.
Häufige Fragen
Wie viel muss Bambu Lab an Stratasys zahlen?
Die Jury sprach Stratasys 27,6 Millionen Dollar Schadensersatz zu. Bambu Lab will Überprüfung nach dem Prozess und Berufung beantragen.
Gilt das Urteil auch in Europa?
Nein. Es betrifft US-Patente und in den USA verkaufte Maschinen. Die Kammer Den Haag des Einheitlichen Patentgerichts wies Stratasys' Eilantrag im April ab.
Dürfen Bambu-Lab-Drucker nicht mehr verkauft werden?
Gegen die in der Klage genannten Maschinen, allesamt Modelle der ersten Generation, wurden keine Unterlassungsverfügungen erlassen.